Mittwoch, 15. Oktober 2014

Glenmorangie Taghta. So gut wie damals.

Über ein Jahr habe ich auf ihn warten müssen, jetzt ist er endlich da: Glenmorangie Taghta, der Sieger aus dem Cask Masters Programme von Glenmorangie.
In mehr als 30 Ländern hatten Whisky-Fans auf der ganzen Welt diesem Glenmorangie aus dem Manzanilla-Fass ihre Stimme gegeben. So viele Menschen können nicht irren, oder? 
 
foto: margaretemarie


Das Cask Masters Programme von Glenmorangie ist für mich eines der interessantesten Marketing-Konzepte des vergangenen Jahres, und es hat mir Spaß gemacht, daran teilzunehmen. Über die genauen Hintergründe dieses Programms hatte ich ja bereits [hier] berichtet.

Als Dr. Bill Lumsden, "Chefnase" bei Glenmorangie und Ardbeg, im vergangenen Jahr in Frankfurt zu Besuch war, hatte ich ihn im Rahmen meines Ardbog-Interviews auch nach dem Taghta gefragt. Hier ist noch einmal die betreffende Passage:


"MM: Es ist interessant, dass Sie die salzige Note der Manzanilla-Fässer erwähnen. Auch bei Glenmorangie, ihrer zweiten Brennerei, wird derzeit viel über Manzanilla-Fässer gesprochen. Es fällt mir schwer, mir einen Glenmorangie mit einer Salznote vorzustellen.
   
Dr. Bill:  Bei Glenmorangie haben wir sozusagen den Gegenpart. Die Manzanilla-Fässer für Glenmorangie habe ich ungefähr zur gleichen Zeit gekauft wie jene für Ardbeg, vor etwa 10 Jahren. Ich habe allerdings reifen Whisky hineingegeben, es war eher als ein Experiment gedacht. Sie haben wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Cask-Masters-Programme davon gehört. Es ist meine Lieblings-Variante, weil dieser Whisky so ganz anders ist. Vielleicht nicht der schönste Glenmorangie, den ich jemals gemacht habe, aber ganz anders und interessant."


Vor ein paar Tagen war es dann so weit, der Glenmorangie Taghta ist endlich im Verkauf offiziell erhältlich. Hier meine Tasting-Notes:

Glenmorangie Taghta, Manzanilla-Finish, 12.000 Flaschen, 46%



Pressefoto

Farbe: 

altes Kupfer

Aroma: 

Er beginnt relativ "hell", mit Aromen von Malz, Apfelkompott, eingeweckte Birnen, Karamell, Zuckerrübensirup und Zitrone. Doch nach einer Weile verändert er sich, er wird immer "dunkler" und kräftiger, die Sherry-Noten treten stärker in den Vordergrund, es riecht nach getoasteter Eiche, Oliven, kandierten Orangen und Gewürzen, und man denkt unwillkürlich an Mahagoni-Holz.

Geschmack:

Er ist nur wenig süß, fast salzig und herb. Im Mund ist er  leicht ölig und nussig, aber mit  Biss. Der kräftige Antritt passt gut zu den herben Aromen im Glas, er ist insgesamt sehr vollmundig, dicht und rund. Ein paar Tropfen Wasser lassen ihn noch fülliger werden. Sehr harmonisch. Wenig Holz, viel Leder.

Nachklang:

etwas kurz, er verschwindet schnell hinter der Kehle.

Fazit:

Der Taghta hat uns  beeindruckt. Die lange Nachreifung in Manzanilla-Fässern zeigt uns einen  Glenmorangie von einer ganz anderen Seite. Er fängt leicht und harmlos an, doch er entwickelt sich zusehends im Glas. Man sollte sich Zeit für ihn nehmen. Die kindliche Leichtigkeit eines Sonntagnachmittags bei Oma im Garten, die den Taghta zu Beginn kennzeichnete,  ist bald verschwunden,  und  am Ende ist ein ernstzunehmender Tropfen mit viel Charakter im Glas.


Wir vergleichen ihn schließlich mit einem jungen Mann, der seine Kindheit hinter sich gelassen hat, in die Stadt gezogen  ist und maßgeschneiderte Anzüge trägt. Und am Wochenende fährt er manchmal  mit seinem Jaguar XF in ein Haus am Meer, und es gibt Omas Klöße, so wie damals.

Er ist ein reifer Herbstwhisky, und passt bestimmt gut zu kräftigen Speisen wie Sauerbraten und selbstgemachten Klößen nach Omas Rezept. Oder auch zu Serrano-Schinken und eingelegten Oliven.

Auch dieser Glenmorangie ist ein moderner NAS-Whisky, und über sein Alter kann man nur spekulieren. Doch er gehört zur gehobenen Klasse und man kann ihn getrost auf den Tisch stellen, wenn gute Freunde kommen. Oder einfach selber trinken. Die Flasche wird so oder so viel zu schnell leer sein.

Punkte: 8.9 von 10



foto: margaretemarie

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Auf der Suche nach Perfektion. Glenmorangie und die British Open.

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Sonntag, 12. Oktober 2014

Malt oder Grain: zwei Raritäten aus dem Hinterzimmer

Kaum jemand kennt heute noch die Brennerei North of Scotland. Nur wenig mehr als zwei Jahrzehnte war sie in Produktion, ehe sie 1980 für immer schloss. Abfüllungen von North of Scotland sind mittlerweile sehr alt und sehr selten. 

Und deshalb sind sie genau das richtige für Uwe Wagmüller. Der Liebhaber von schönen Etiketten und Inhaber eines Whisky-Ladens in Berlin ist Spezialist für seltene Abfüllungen und Whisky-Raritäten. 

 
 
foto: margaretemarie
Auch als Abfüller von ungewöhnlichen Fässern hat er sich inzwischen einen Namen gemacht, und sein Ladengeschäft "Finest Whisky" in der Winterfeldtstraße ist ein El Dorado für Liebhaber alter Whiskys geworden.

foto: margaretemarie
In seinem berühmten Berliner Hinterzimmer habe ich zwei ganz besondere Schätze entdeckt und zusammen mit Marco, Whiskyfan und Teilnehmer der illustren Berliner "Loft-Tage", verkostet.


Berliner Loft-Tage.  foto: margaretemarie


North of Scotland, Single Grain, 1970-2012, 42 Jahre,  cask 5,  146/234 Fl., 47.1%


1958 wurde die Brennerei unter dem Namen Strathmore auf dem Gelände einer ehemaligen Bierbrauerei gegründet. Ursprünglich war die Anlage als Malt-Brennerei konzipiert, doch eine Besonderheit war, dass die gemälzte Gerste in einer Coffey-Still gebrannt wurde.

Nach nur zwei Jahren ging man jedoch zur Grain Destillation über und änderte auch den Namen. Bereits 1980 wurde die Brennerei geschlossen und 1993 abgerissen. Die Lagerhäuser blieben jedoch erhalten und befinden sich inzwischen im Besitz von Diageo. Abfüllungen von North of Scotland findet man heute nur sehr selten.

Die Abfüllung von Finest Whisky stammt aus dem Jahr 2012, und insgesamt ergab das Fass 234 Flaschen. Das Etikett nach einem Motiv von Carl Spitzweg verdient ganz besondere Aufmerksamkeit: die Anspielungen auf Uwe, einen Köpeniker Getränke-Handel  und eine berühmte Whisky-Persönlichkeit aus dem Elsaß sind unübersehbar:-)


foto: margaretemarie

Farbe:

gold-gelb

Aroma:

schon der erste Eindruck bringt eine große Überraschung: das Aroma erinnert sehr stark an einen tollen Bourbon oder auch an einen erstklassigen Rum. Lösungsmittel, Dillgurke, eine sehr angenehme Honig-Süße, Blütenduft, Rum-Rosinen, Marzipan, leichte Vanille. Für sein Alter überraschend wenig Holz.

Geschmack:

immer noch die Rum-Rosinen, aber jetzt zeigt sich auch das Alter. Viel Holz, Tabak, Leder, Pflaumen  und Bittermandel. Die Süße ist komplett verschwunden, er ist würzig, dunkel und sehr trocken. Dennoch sehr süffig. Im Vergleich zu Malt Whisky ist er allerdings eher schlicht und schlank.

Nachklang:

lang, angenehm und wärmend. 

Fazit:

Dieser North of Scotland ist rund, harmonisch und nicht mehr reproduzierbar. Denn er entstand noch ganz in Handarbeit. Er ist ein Gruß aus der Vergangenheit, als es noch keine Computer gab. Mich erinnert dieser Grain-Whisky  an eine alte, gut erhaltene  S-Klasse: edel, stilvoll, beeindruckend,  und  ohne die modernen Extras.  Er hat ganz große Klasse und lässt sich super fahren. Aber ohne Sitzheizung und Navigator. Ein toller Whisky für Liebhaber und Kenner.

Punkte: 9.3 von 10 (Grain)


foto: margaretemarie


Glen Keith, Single Malt, 1991-2013, Bourbon Cask,  34/78 Fl.,  22 Jahre, 47.8%



Die Abfüllungen von Uwe tragen oft Etiketten mit einem persönlichen Bezug. Eine ganz besondere Serie ist seinem Tasting-Room gewidmet - dem Hinterzimmer seines Ladens, in dem die sogenannte "Hinterzimmer-Bande" besonders gern zusammen kommt. Ein Mitglied dieser Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, besondere Ereignisse in Comic-Form festzuhalten. Seine Zeichnungen bilden die Grundlage der Reihe "Stories aus dem Hinterzimmer".



foto: margaretemarie

Folge 1 war einem Littlemill und der Frage nach der Relativität von Zeit gewidmet. Folge 2  behandelt Glück, Unglück und die Kunst des Überlebens und ist sinnigerweise mit einem Glen Keith gefüllt. Denn ebenso wie Uwe hat die Speyside-Brennerei in Besitz von Pernod-Ricard  ihr Ende vor Augen gehabt. Und hat knapp überlebt. Nach 14 Jahren Stillstand  wurde im April 2013 die Produktion in Glen Keith wieder aufgenommen.

foto: margaretemarie

Farbe:

sattes Weißweingelb

Aroma:

Man muss etwas leise reden, damit man diesen Glen Keith auch hört, denn er ist sehr dezent, zart, filigran, aber auch überraschend frisch und junggeblieben. Es dominieren Fruchtnoten von eingekochten Äpfeln und Birnen sowie zarter Blütenduft. Nichts sticht in der Nase, er ist sanft und angenehm harmonisch. Ein Whisky wie der Frühling, zart, mit leichter Honignote, weder alt noch muffig, sondern eher ein moderner Altbau, frisch, kompakt und dicht.

Geschmack:

erst jetzt wird das Alter erkennbar, er schmeckt dunkel und ölig, nach Leder und Tabak, die Fruchtnoten sind verschwunden, statt dessen zeigt sich eine kräutrige Würze.

Nachklang:

nicht sehr lang, aber nachhaltig, er strahlt noch lange in die Kehle und im Mundraum aus. 

Fazit:

Ein  eleganter, drahtiger Single Malt, mit klassischer Eleganz, ein Chesterfield-Sofa im modernisierten Altbau. Oder auch eine elegante ältere Dame mit Stil, die sich ihren jugendlichen Charme erhalten hat und immer noch Männer zu begeistern weiß. Old School. Ein Whisky für ruhige Momente.

Punkte:  8.9 von 10 (Malt)


mehr zum Thema:


Botschaften aus dem Hinterzimmer: Ardbeg eröffnet neue Embassy in Berlin

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Whiskey zwischen Betrug und Marketing: Der Fall Templeton

Die amerikanische Firma Templeton Rye Spirits LLC. steht seit kurzem  wegen irreführender Marketing-Praktiken vor Gericht. 

Für Templeton steht dabei viel auf  dem Spiel: ein Kernpunkt des Rechtsstreits ist die Frage, ob die Konsumenten bisher zu viel für  Templeton Rye Whiskey bezahlt haben.

Jetzt haben die  Firmen-Gründer Keith Kerkhoff und Scott Bush zur Verteidung den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Doch ihre Argumente sind alles andere als beruhigend. 
 
Foto: margaretemarie



Dienstag, 7. Oktober 2014

Botschaften aus dem "Hinterzimmer": Neue Ardbeg Embassy in Berlin eröffnet

Es hat lange gedauert, doch jetzt ist es endlich so weit: Nach München, Bonn und Frankfurt wird ab dieser Woche auch die Landeshauptstadt eine Ardbeg Embassy vorweisen können. 

Am Donnerstag wird die Eröffnung mit einem großen Straßenfest gefeiert, und  Distillery Manager Mickey Heads wird mit dabei sein. 

Unter Whisky-Kennern ist die Adresse in Schöneberg längst bekannt: denn die neue Ardbeg Embassy bezieht das wohl berühmteste Hinterzimmer von Berlin.
 
Foto: margaretemarie

Sonntag, 5. Oktober 2014

Whisky-Blogger: Jan van den Ende - Best Shot Whisky Reviews

Jan kenne ich fast genauso lange wie ich Marcus kenne - wenn auch nicht persönlich. 
Denn wenn Marcus "Whiskycuse" eine Verkostungsnotiz veröffentlicht, lässt der Kommentar von Jan meist nicht lange auf sich warten. 
Ich bin in diesem Bunde die lachende Dritte, denn ich bekomme so die Meinung von beiden.

Doch Jan hat auch seinen eigenen Whisky-Blog.

 
http://3.bp.blogspot.com/-tjZqpgDSm7Q/U9RjJklWbfI/AAAAAAAAHuE/z68_2hofal4/s1600/*
Seit 2011 schreibt er in englischer Sprache auf der anderen Seite der Welt regelmäßig über Malts and Blends. Sein Blog "Best Shot Whisky Reviews" wurde 2014 von den Herausgebern des Malt Whisky Yearbook  als einer der besonders lesenswerten Whisky-Blogs gelistet.



Mittwoch, 1. Oktober 2014

Auch spucken will gelernt sein: Der C2C Spirits Cup

Blindverkostungen sind eine Herausforderung. 22 Whiskys in vier Stunden zu verkosten ebenfalls. Beides zusammen ist eine unglaubliche Erfahrung, die sich einem Whisky-Genießer nur selten bietet. Beim  "C2C-Spirits-Cup" in Frankfurt war mir eine solche Erfahrung vergönnt. Und hat mir einen ganz neuen Blickwinkel auf die Arbeit der Profis geöffnet.
 

Foto: margaretemarie

Montag, 29. September 2014

Die Wucht im Glas: Kilchoman European Road Tour

Etwa 5.500 Fässer lagern derzeit bei Kilchoman, der kleinsten Brennerei auf der schottischen Insel Islay. Sechs davon wurden anlässlich der Kilchoman European Road Tour für eine streng limitierte Sonder-Edition ausgewählt und in Fassstärke abgefüllt: nur 1.518 Flaschen gibt es von der  Machir Bay Caskstrength Road Edition mit 59.2%.
 

Bei ihrem Tour-Aufenthalt in Gießen hatte ich Gelegenheit, mit den Söhnen des Eigentümers, James und Peter Wills, über Kilchoman zu plaudern und diese besondere Tour-Abfüllung  zu probieren. Doch der eigentliche Star des Abends war eine andere Abfüllung: der neue  Kilchoman Port Cask Matured, der in den nächsten Tagen auch in Deutschland erhältlich sein wird.

Kilchoman Port Cask  Matured.            Foto: Rainer Battefeld

Samstag, 13. September 2014

Nachreifung im "Schnellen Brüter": Mortlach 1989 Octave, Duncan Taylor, PE

Die schottische Whisky Association (SWA) wacht sehr streng darüber, was mit Schottischem Whisky erlaubt ist, und was nicht. So ist es beispielsweise nicht zulässig, Single Malt mit fremden  Aromen anzureichern. 

Das mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch ist die Grenze zwischen Erlaubt und Unzulässig nicht immer einfach zu ziehen. Denn ein Großteil der Aromen im Whisky entsteht durch das Holzfass, in dem das Destillat gelagert wird. 

Mit anderen Worten: Holz hat einen gewaltigen Einfluss auf den Geschmack von Whisky, und steuert strenggenommen "fremde" Aromen bei. Doch wieviel Holz ist im Whisky eigentlich erlaubt?
 


Donnerstag, 11. September 2014

Whisky-Blogger: Stefan Völkner (Whisky-Journal)

Whisky-Blogs gibt es viele, aber nur wenige schaffen es auf meine regelmäßige Blog-Lese-Liste. Whisky-Journal ist einer davon. 

Neben den Tasting-Notes lohnt sich hier vor allem ein Blick in die umfangreichen Datenbanken zu den verschiedenen Brennereien. Nicht nur solche wenig bekannten Destillerien wie Moffat oder Mosstowie finden sich hier verzeichnet. Auch über dänische, schwedische oder südafrikanische Brennereien gibt die Seite einen schnellen und aktuellen Überblick. 

Richtig beeindruckt bin ich aber immer wieder von der Liste seiner eigenen Sammlung. 1.022 Einträge sind derzeit zu sehen. Da kann ich nur sagen: Slainte, Stefan!
 Whisky-Blogger Stefan Völkner. Foto: margaretemarie


Montag, 8. September 2014

Small Batch, Big Business und die Suche nach der Zeit. Oder: warum wir Ardbeg so lieben.

Kaum ist die Sommerzeit vorbei, erfreuen uns die Whisky-Produzenten wieder mit besonderen Abfüllungen. 

Small Batch, Limited Release, Single Cask, Distillery Only - die Abfüllungen mit Sammel-Potential kommen schneller, als wir trinken können. 
 
Zeitlose Momente  des Glücks.     Foto: margaretemarie.
Und so taumeln wir glückselig von einer Whisky-Verkostung  zur nächsten, immer auf der Suche nach dem besonderen Schluck, nach dem ultimativen Dram. Dabei  könnte das Leben für uns doch viel gemütlicher, viel stressfreier sein.