Mittwoch, 30. Juli 2014

Whisky, Zigarren und Abschied nehmen von lieben Menschen

Sommerzeit ist immer auch Reisezeit. Meist beschränkt sich die Reise auf einen kurzen Zeitraum. Solche Reisen stimmen uns fröhlich. Manchmal dauern Reisen auch länger. Dann heißt es Abschied nehmen. Was bleibt, ist die Erinnerung an gemeinsame Tage.
 

Die vergangenen Wochen waren sehr bewegend für mich. Ich habe alte Freundschaften vertieft, neue geschlossen und  mein Herz verloren.  Ich habe aber auch Abschied nehmen müssen von lieben Menschen, mit denen mich viel verband, die ich gut kannte und sehr schätzte. Zweimal war es ein schmerzhafter Abschied für immer.

Heute hat sich erneut ein guter Freund für lange Zeit verabschiedet, doch ich hoffe, ihn irgendwann wieder zu sehen. Ich wünsche mir, ich hätte mehr Zeit für ihn gehabt. Im Alltagsgeschäft von Pflichten, Terminen und Geld verdienen kommt die Zeit für gute Freunde allzu oft zu kurz. Um so wertvoller sind die Erinnerungen an schöne Momente. An stundenlange Gespräche. Wenn wir bei Salvadore saßen. Als wir Zaungäste bei Amy Macdonald waren.

In ganz besonderer Erinnerung aber ist mir jener Nachmittag im letzten Sommer, als wir voller Übermut unsere beiden Genuss-Hobbys kombinierten und in einem ausgiebigen Whisky-und- Zigarren-Event nach der bestmöglichen Kombination suchten.

Whisky und Zigarren lassen sich ja hervorragend kombinieren. Doch die Auswahl ist bei beiden schier unerschöpflich, und die eigentliche Herausforderung liegt darin, den richtigen Whisky zur richtigen Zigarre zu finden.

Die schottische Highland-Brennerei "The Dalmore" hat vor geraumer Zeit sogar einen Whisky auf den Markt gebracht, der genau dazu kreiert worden war. The Dalmore Cigar Malt, wie er heißt, weist einen sehr hohen Anteil an Whisky aus, der in Oloroso-Sherry-Fässern reifte und harmoniert angeblich ausgezeichnet mit kubanischen Zigarren wie z.B. Upmann, Hoyo de Monterrey, Romeo y Julieta oder Montecristo.

Wir waren, wie gesagt, an jenem Tag sehr übermütig. Ein rauchig-torfiger Islay-Whisky sollte es sein, mit viel Sherry-Noten, um das ultimative Raucherlebnis zu erfahren. Meine Wahl fiel auf den Ardbeg Uigeadail, und Randolf steuerte die Zigarren bei, die wir dazu testen wollten: Romeo y Julieta, Montecristo und Quintero.

1. Romeo y Julieta (Kuba):

1903 gründete Rodriguez Fernandez seine Firma in Kuba. Heute ist sie eine der berühmtesten Zigarren aus Kuba und gehört zu den meistgekauften Spitzen-Havannas weltweit. In Kombination mit dem Ardbeg gab es  eine Überraschung: die Romeo y Julieta war viel zu stark, sie hatte keine Lust, sich unterzuordnen. Aber auch der Uigeadail war nicht gewillt, sich zu beugen, und wir erlebten einen richtigen Zweikampf auf der Zunge, bei dem sich zwei starke Charaktere gegenseitig neutralisierten, aber nicht ergänzten. Der dominantere Ardbog wäre hier wohl die bessere Wahl gewesen.


 2. Montecristo:

Die Marke Montecristo entstand  in den dreißiger Jahren und gehört zu den besten und bekanntesten Havannas. Sie gilt als mittelstark, pikant und aromatisch, und verdankt ihren Namen dem Grafen von Montecristo, dem Titelhelden aus dem berühmten Roman von Alexandre Dumas.
Die Montecristo war deutlich milder als die Romeo y Julieta und harmonierte wunderbar mit dem Uigeadail, dem sie sich unterordnete. Sie wirkt im Zusammenspiel mit dem Ardbeg Uigeadail fein, fast delikat, und bot uns ein ausgewogenes Raucherlebnis. Absolut empfehlenswert.


3. Quintero:

Auch die Quintero gehört heute zu den beliebtesten Havanna-Zigarren, wird aber für Anfänger nicht unbedingt empfohlen. Nicht alle Quinteros sind handgemacht, wer darauf Wert legt, sollte darauf achten, dass die Kiste den Aufdruck "totalmente al mano" trägt.
Die Quintero ist eine kräftige Zigarre, die sich aber unserem Ardbeg Uigeadail angenehm unterordnete. Allerdings wirkte sie weniger elegant als die Montecristo. Vielleicht würde sie auch gut zu einem Laphroaig 18 passen.


Eigentlich hatte Randolf noch ein paar Zigarren mehr da, aber wir waren nach drei Zigarren so berauscht-beraucht-beschwingt, dass wir den Abend langsam und sinnlich ausklingen ließen. Morgen ist auch noch ein Tag, dachten wir.
Am nächten Tag hat es dann leider geregnet, und wir haben unsere Testreihe nicht mehr fortgesetzt. Doch die Erinnerung an diesen stimmungsvollen Abend wird uns bleiben.




Wir wollten auch die Romeo y Julieta irgendwann noch mit einem Highland Park 25 probieren, und auch das haben wir nicht mehr umgesetzt. Wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja bei einem Wiedersehen. Den Highland Park 25 stelle ich auf jeden Fall schon mal zur Seite.



Lieber Randolf,
ich wünsche dir alles Gute für dein neues Leben. Und wenn du mal wieder auf der Terrasse sitzt und den fernöstlichen Sonnenuntergang genießt, dann denk an mich und poste ein Bild für mich!
MM

 

Sonntag, 6. Juli 2014

Geheimtip Delitzsch: Indie-Whisky-Summer-Party Teil I

Aus der Musik-Branche kennen wir den Begriff der Indie-Label schon seit langem. Doch auch in der Whisky-Branche gibt es sie: die "independent whisky bottlers", die unabhängigen Abfüller. Noch gelten die meisten von ihnen als Geheimtip. Am vergangenen Wochenende traf sich die Haute-Volée der deutschen Whisky-Indie-Szene  in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Leipzig.  
 

 
Abseits von den großen Messen und bekannten Veranstaltungen fand rund um die alte Stadtpfarrkirche in Delitzsch die erste "Independent Whisky Summer Party" statt, und einige der besten Whisky-Händler der Republik waren dem Ruf des Veranstalters gefolgt. Denn eingeladen hatte zu diesem ganz besonderen Whisky-Festival einer der alten Hasen der Szene. Oder vielleicht sollte ich lieber sagen: ein alter "Indianer" - Jens Fahr aus der Altstadtkneipe Nr. 2.

Seit über 20 Jahren wird in Delitzsch im Juni das Peter-und-Paul-Stadtfest gefeiert, und seit einigen Jahren gehört Jens Fahr auch zur Organisations-Gesellschaft. In diesem Jahr hat er sich einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt: direkt vis-à-vis seiner Altstadtkneipe  stand während der Festtage auch ein kleines Whisky-Indie-Sommer-Zeltdorf.

Gleich am Eingang dieses Whisky-Dorfes hatte "Best Dram" seinen Stand aufgebaut. Erst im Februar diesen Jahres wurde die Firma gegründet, doch die beiden Köpfe dahinter sind keine Neulinge im Whisky-Geschäft. Mike Müller führt seit vielen Jahren erfolgreich die Saxo-Bar in Remscheid, die 2008 von einer Fachjury zur besten Whisky-Bar Deutschlands gewählt wurde. Und Michel Reick ist der Betreiber des Whisky Dungeon in Münster, das nicht nur über 500 verschiedene Whisky-Sorten, sondern auch exklusive Biere, Aktionstage und Musik-Events zu bieten hat. Bei den Abfüllungen von "Best Dram" handelt es sich überwiegend um Einzelfass-Abfüllungen in geringer Auflage. Seit drei Wochen ist die Firma auch General-Importeur der "Old Masters" Reihe.

Unterstützung am Stand in Delitzsch: Klaus Reupke
 
Speyside Mysteria. (K)ein Balvenie?
Besonders interessiert hat mich an diesem Abend der  Speyside Mysteria, denn laut Etikett handelt es sich dabei um einen 24jährigen Blended Malt aus dem Bourbon Cask, dessen Herkunft nicht genannt werden darf. Auf Nachfragen hat man mir bestätigt, dass es sich um einen "teaspooned" Malt handelt, also um einen  Single Malt, der mit einem Teelöffelchen bzw. einer kleinen Menge Whisky aus einer anderen Brennerei "verunreinigt" wurde. Mich hat das Teelöffelchen Glenfiddich oder was es sonst gewesen sein könnte nicht gestört, mir hat dieser fruchtig-samtige Speysider hervorragend geschmeckt.


Melanie Skowronek, Christian Priess
 
Auch Anam na h-Alba gehört noch zu den jungen, aufstrebenden Abfüllern in unserem Land.
Gegründet wurde die Firma 2012 von Thomas Skowronek, der seither schon einige Bestseller im Angebot hatte. Das Sortiment besteht überwiegend aus Einzelfass-Abfüllungen, viele davon in Fassstärke, und immer ohne Farbzusatz und nicht kühlgefiltert.
Bei Anam na h-Alba finde ich am Stand auch die Festival-Abfüllung, einen 19 Jahre alten Miltonduff aus dem Bourbon Hogshead  mit einem Amontillado-Finish. Die Nachreifung hat dem Whisky eine traumhafte, fast kupfer-orangene Farbe beschert. Auch der Geschmack überzeugt, die Flasche wandert in meine Einkaufstüte.
 

WM Spirits: Wagmüller + Meier. The Admiral's Cask.

 
Seit fast 6 Jahren betreibt Uwe Wagmüller sein Geschäft "Finest Whisky" in Berlin. Zusammen mit seinem Partner Jan Meier hat er in Lüneburg auch "MW Spirits" gegründet. In Delitzsch hat er die Abfüllungen der Serie "The Admiral's Cask" am Stand dabei. Dass die Whiskys überdurchschnittlich gut sind, versteht sich von selbst. Doch das eigentlich Besondere sind in diesem Fall die Label: jede Flasche trägt ein individuelles Etikett, das aus einer alten Seemanns-Karte herausgeschnitten wurde.
Für jedes Fass gibt es eine eigene Karte, und auf der Internet-Präsenz von WM Spirits kann man nachschauen, welches Stückcken der Karte auf welcher Flasche gelandet ist. Individueller geht's wohl kaum noch.

Und auch die nächste Sonderserie haben Uwe und Jan bereits mit nach Delitzsch gebracht: die Lunar Series. 12 Abfüllungen sind geplant, das Etikett wird jeweils ein chinesisches Tierkreiszeichen tragen. Den Anfang wird wohl ein 29 Jahre alter Tamdhu von 1984 machen. Die Auflage des Prototyps war ausgesprochen klein: nur 8 Flaschen wurden abgefüllt.

 

Neben seinen eigenen Abfüllungen hatte Uwe auch die Abfüllungen eines weiteren Berliners dabei: Lars Göran Wiebers. Unter dem Namen Jack Wiebers Whisky World  bringt er seit 1999 immer wieder erfolgreich eigene Serien auf den Markt. Berühmt wurde er zunächsst mit der Reihe der "Scottish Castles", aber auch die Reihen "Old Train Line"  oder "Great Ocean Liners" sind bei Sammlern mittlerweile sehr begehrt.

 
Kultstatus haben inzwischen die Serie "Wanted", die bekannten Persönlichkeiten der (deutschen) Whiskyszene gewidmet ist, sowie seine rauchige Islay-Abfüllung "Jack's Pirate Whisky".
Besonderes Kennzeichen der Piraten-Serie ist der Jack-Russel-Pirat, der jedes Etikett ziert. "Das gestohlene Schiff Teil V" ist eine Single-Malt Abfüllung mit einem Finish im Port-Ellen-Sherry-Fass und gehört zu meinen Lieblingen aus dieser Serie.

Teil II folgt morgen.




Montag, 2. Juni 2014

Ardbeg-Day 2014: Impressionen und Interview mit Bryony MacIntyre (Whisky Creation Team Ardbeg)

Endlich ist er da: seit Monaten warten die Fans auf ihn, am vergangenen Wochenende dann war es soweit. Der neue Ardbeg Auriverdes wurde offiziell den Fans vorgestellt.  Auf dem Bonner "Kunstrasen" hatten 400 Committee-Mitglieder die Gelegenheit, ihn erstmalig im Rahmen des diesjährigen Ardbeg-Day zu verkosten.
 
MargareteMarie

Wenn Islay feiert, feiert die Welt. Jedenfalls, wenn es um Ardbeg geht. Denn wenn die Kult-Brennerei auf der schottischen Hebriden-Insel Islay zum Ardbeg-Day einlädt, feiern die Fans rund um den Globus mit. Von Schottland bis Südafrika fanden in unzähligen Ländern der Welt am vergangenen Wochenende die Ardbeg-Tage statt, die in diesem Jahr ganz im Zeichen der kommenden Fußballweltmeisterschaft in Brasilien standen.

Der neue Ardbeg trägt einen berühmten Namen: Auriverdes heißt die diesjährige Sonderabfüllung, und spielt damit nicht nur auf die Farben der Brennerei an (Gold und Grün), sondern auch auf die Brasilianische Fußball-Nationalmannschaft, die ebenfalls in Gold und Grün auf Torjagd geht.



Auch in Bonn wurde fröhlich gekickt und gefeiert, und ich hatte gottseidank rechtzeitig mein Ticket bestellt. Anders als im vergangenen Jahr war es diesmal möglich, eine Flasche Auriverdes direkt vor Ort zu erwerben. Vorausgesetzt, man war angemeldet und hatte seine Flasche vorbestellt. Und natürlich war der Höhepunkt des Tages auch diesmal wieder die Präsentation und gemeinsame Verkostung der neuen Sonderabfüllung.

Eigens aus Schottland war diesmal Bryony MacIntyre angereist, die zum Whisky Creation Team von Dr. Bill Lumsden gehört und an der Entwicklung des Auriverdes maßgeblich beteiligt war. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Bryony über den neuen Ardbeg Auriverdes befragt. Das komplette Interview mit ihr findet ihr weiter unten.

Wer Lust hatte, konnte beim Human Table Football mitmachen, Heuballen werfen oder Quizfragen beantworten. Ich muss zugeben, Fußball ist nicht so ganz mein Ding, aber ehe ich mich versah, hatte ich ein grünes Band am Arm und war plötzlich Mitglied im Fußball-Team "Serendipidy". Mit zum Team gehörten auch die Food-Blogger "Küchenjunge",  Christine von "KeksundKarotte" und Jochen von "Vivaculinaria" sowie Rainer, dem ich viele tolle Fotos vom Ardbeg-Day verdanke.

Als ich dann aber die Fußball-Arena sah, hab ich mich elegant aus der Affaire gezogen: an schwere Eisenstangen gekettet zu sein erschien mir nicht wirklich das wahre Vergnügen, und ich hab ruckzuck auf alle "Wir-sind-Frauen-wir-können-das-auch"-Parolen gepfiffen und beschlossen, mein Team stattdessen durch lautstarkes Anfeuern zu unterstützen. Es gibt Situationen, da bin ich gerne Frau:-) Meine Hochachtung an Christine, die tatsächlich ihren Mann gestanden und mitgespielt hat.
"Küchenjunge", Tobias, Sascha, Rainer, Christine

Gewonnen haben wir am Ende aber nicht, die Ehre ging an das Team "Shorty", aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Bei strahlend blauem Himmel haben wir einen herrlichen Nachmittag verbracht, zusammengesessen, geklönt, gelacht, gegessen und natürlich Ardbeg getrunken. Was mich wieder einmal beeindruckt hat: Freibier gab es so viel man wollte, und auch der Whisky hat kaum was gekostet. Und dennoch gab es am Ende des Tages keine Betrunkenen, keine Koma-Säufer und keine Krakeeler. Sondern jede Menge Spaß, nette Freunde, schöne Gespräche und viel Genuss.

Der Nachmittag verging wie im Flug, und dann wurden endlich die Tabletts rundgereicht mit dem neuen Ardbeg Auriverdes. Und ganz am Schluß hatte Tobias dann noch ein kleines Highlight für uns dabei: ein Kistchen mit Zigarren, mit einer Empfehlung von Dr. Bill Lumsden, dem Director of Analytics and Whisky Creation. Denn die "Cohiba Maduro 5" passen ganz wunderbar zu einem Glas Ardbeg Auriverdes. Fast so gut wie Schokolade.

Tobias, Marco

Und hier zum Abschluß noch ein Video mit ganz viele Foto-Impressionen und das Interview mit Bryony MacIntyre zum neuen Ardbeg Auriverdes.





Ausführliche Verkostungsnotizen folgen morgen. Nur so viel sei schon verraten: ich find ihn toll!!!




Freitag, 30. Mai 2014

Ein besonderer Whisky für eine besondere Lady

Gestern war Vatertag. Viele Väter begnügen sich an diesem Tag mit ein  paar Bierchen. Doch Gavin Ryan Thomson  aus Saarbrücken hat sich zur Feier des Tages einen Feis Ile Bowmore Handfilled 16 Years gegönnt, den er im vergangenen Jahr persönlich während des Whisky-Festivals auf der Insel Islay abfüllte. 
Schließlich wurde vor  zwei Monaten  seine kleine Tochter Emma geboren. Und auch den Geburtstag der jungen Dame hat der gebürtige Schotte  mit einem besonders edlen und seltenen  Dram begossen: einem Glen Grant 50 Years! Gavin gehört zu jener besonderen Sorte von Menschen, die vom Whisky-Fieber befallen sind. Und in seiner Freizeit dreht sich alles um das schottische Lebenswasser.
 
 
Wenn Gavin Ryan Thomson nach Hause kommt, gilt sein erster Blick seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Doch der junge Familienvater hat noch eine zweite, große Leidenschaft: schottischer Whisky.

Als ich Gavin in seiner Saarbrücker Wohnung besuche, fällt mir in seiner "Whisky-Ecke" auch  eine kleine Modell-Brennerei ins Auge, die unschwer als Nachbau von Bowmore zu erkennen ist.  Gavin hat sie selbst modelliert. Die Whiskys von Bowmore haben es ihm ganz besonders angetan.


Seit elf Jahren lebt Gavin jetzt schon in in der saarländischen Landeshauptstadt, und er fühlt sich hier inzwischen so heimisch, dass er auch nicht mehr weggehen möchte. Dass er überhaupt erst hierhin gekommen ist, verdankt er der Liebe. In Saarbrücken hat er während eines Urlaubsaufenthaltes beim Saarspektakel seine jetzige Frau kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick, und sie hat bis heute gehalten.

Um der Liebe willen hat er seine Heimat im schottischen Ayrshire verlassen, hat Deutsch gelernt und eine Ausbildung zum Kindergärtner gemacht, denn Kinder liebt er über alles. Doch was mich dann überrascht: auch seine Liebe zu Whisky hat er erst entdeckt, als er nach Deutschland kam.


 

Solange er in Schottland lebte, hatte er Whisky nicht besonders gemocht. Erst später, wann immer  er auf Heimatbesuch an langen, schottischen Abenden wieder mit seinem Vater zusammen sitzen konnte, gehörte ein Glas Whisky einfach dazu. Sein Vater ist leider vor einigen Jahren verstorben. Die wunderbaren Erinnerungen an diese Whisky-Abende sind ihm geblieben.

Vielleicht war es auch eine ganz besondere Art, um das Heimweh zu besiegen. Aber in Deutschland fing Gavin an, sich intensiver mit Whisky zu befassen, Informationen zu sammeln und über Bowmore auf Facebook zu posten. Schließlich wurde Cara Laing, damals Brand Managerin bei Bowmore, auf den verrückten Schotten aus dem fernen Deutschland und seine Whisky-Leidenschaft aufmerksam. Und sie lud Gavin zusammen mit seinem Bruder zu einer ganz besonderen VIP-Tour in die Brennerei ein.

Im Lauf der Zeit wuchs die Bowmore-Sammlung von Gavin immer weiter an, und auch Abfüllungen von Auchentoshan und Glen Garioch kamen hinzu. Irgendwann erfolgte der nächste logische Schritt: das Anbieten von Whisky-Tastings. Und niemand geringerer als Master Blender Richard Paterson ist sein großes Vorbild. Die Leidenschaft, der Humor und die Liebe zu Schottland teilt Gavin mit dem Altmeister des schottischen Whiskys. Und genau wie Patterson wirft auch Gavin mit Eiswürfel um sich und gießt schon mal einen Whisky in den Teppich, um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Natürlich hat er sein großes Vorbild inzwischen auch persönlich getroffen, nicht nur auf Messen, sondern auch im Glasgower Dalmore-House und in seinem Sample-Room. Als Patterson dann 2010 den Shakleton-Whisky analysieren und rekonstruieren, konnte, sammelte Gavin alle Informationen im Internet, die er finden konnte. Auf die Unterschrift von Patterson ist er  bis heute stolz.

Mittlerweile gehört Gavin  zu den Brand Ambassadoren von Campari, für die er auch gelegentlich Tastings durchführt, z.B. mit Glenfiddich, Glen Grant oder auch The Balvenie. Und schließlich nimmt Gavin während meines Besuch auch ein ganz besonderes Sample heraus, das ihm vor wenigen Monaten der Master Blender von Glen Grant persönlich überreichte, um die Geburt seiner Tochter mit einem ganz besonderen Tropfen begießen zu können: Glen Grant 50 years.

Doch seine große Liebe gehört nach wie vor Bowmore. Sein großer Traum: eines Tages als Global Brand Ambassador für Bowmore tätig sein.

Und noch eine ganz besondere Flasche steht in Gavins Regal: ein Bowmore 18 Years. Die wird auch die nächsten 18 Jahre verschlossen stehen bleiben. Bis zu jenem Tag, an dem seine Tochter 18 Jahre alt wird. Denn nur seine Familie liebt er noch mehr als Whisky.


Hier die Tasting Notes von Gavin Ryan Thomson für den Glen Grant 50 Years, getrunken zur Geburt seiner Tochter Emma, verkostet für "MargareteMarie":

On the Eye: Dark mahogany.

On the Nose: Dark bitter chocolate, soaked raisins, sweet plums, fresh grated orange peel, dark treacle toffee.

On the Palate:
Sweet plums and dried dates, soaked Christmas pudding, dried fruits and a good dose of apricots, orange zest, brown sugar, grated nutmeg and soft spices.

And the Finish:
A long, silky, sweet lingering chocolate finish, with a hint of a fine cigar. Although not smoky, it has an old taste, but also fresh.

 




Mittwoch, 28. Mai 2014

Whisky-Fair Rhein-Ruhr 2014

Am vergangenen Wochenende fand zum ersten Mal die „Whisky-Fair Rhein-Ruhr“ in Düsseldorf statt. Und wagte ein neues Konzept: zwischen Edel-Oldtimern und Liebhaber-Fahrzeugen präsentierten über 40 Aussteller ihre Whiskys aus aller Welt. In der zeitlos-entspannten Atmosphäre der Classic Remise ließ es sich wunderbar von Stand zu Stand schlendern, um zu tasten, zu plaudern, zu fachsimpeln oder einfach nur eine schöne Zeit zu haben. Mehr als 800 Besucher fanden im Laufe des Tages den Weg in die Halle und sorgten dafür, dass die Messe auf Anhieb ein großer Erfolg wurde.
 
 
Die Whisky-Fair Rhein-Ruhr war die kleinste Messe, die ich im Laufe der vergangenen Monate besucht habe. Und genau das hat mir so gut gefallen, denn sie bot mir eine wohltuende Abwechslung vom Whisky-Rummel der großen Veranstaltungen. Gemütlich, entspannt, fast familiär war die Stimmung, und es blieb viel Zeit für persönliche Gespräche.

Wer das Adelphi-Tasting mit Grame Bowie gebucht hatte, konnte nicht nur die neuen Abfüllungen probieren, sondern erhielt auch die neuesten Informationen über die neue Brennerei von Adelphi, Ardnamurchan.

Ganz neu im Programm bei Rolf Kaspar sind die Abfüllungen der „Ultimate Whisky Company” von Han und Maurice van Wees. Deutschlands bekannteste Spirituosen-Expertin Julia Nourney hat vier davon im Tasting vorgestellt und dabei die Teilnehmer mit ihrem umfangreichen Whisky-Wissen begeistert.


Auch Deutschlands einzige Brennerei-Besitzerin und Pharmazie-Ingenieurin Cornelia Bohn war mit ihrem Preußischen Whisky am Stand. 


Eine sehr nette Aktion fand ich am Stand von Sansibar: hier verkaufte Jens kleine Whisky- und Cognac-Samples, deren Erlös den Menschen zu Gute kommen wird, die von der Flutkatastrophe in Kroatien, Bosnien und Serbien betroffen waren.


Interessante Neu-Abfüllungen gab es wie immer am Stand von Alba bei Dietmar und Schulz und Corinna Schwarz. Ein Highlight diesmal: „Stronachie“, 18 years, eine Small Batch Release von A.D.Rattray, mit einem super Preis-Leistungs-Verhältnis.

Und ganz zum Schluß gab es um 18 Uhr noch ein persönliches Highlight für mich: Autor Wolfgang Nolzen las aus seinem neuen Whisky-Roman "Kildonan", in dem eindringlich und detailiert der schottische Alltag zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschildert wird - natürlich rund um das Whisky-Brennen.



Was mich besonders freute: ich habe endlich mal die Blogger-Kollegen von „Whisky-Experts“ getroffen, die mit einem eigenen Stand vertreten waren. Neben einigen Standards entdeckte ich bei ihnen auch ein besonderes Schätzchen: Bernhard Rems hatte eigens aus Südafrika eine Flasche des „Three Ships“ Single Malt Whiskys dabei, der in Deutschland nur sehr schwer zu haben ist.
 

Einen ausführlichen Bericht über die Whisky-Fair Rhein-Ruhr findet ihr dann auch im Blog der Whisky-Experts:[hier]

Hier noch ein paar persönliche Impressionen von der Messe:



















Freitag, 23. Mai 2014

Charles Maclean

Seit 1981schreibt er über Whisky, und er gehört zu den großen Persönlichkeiten in der Szene des  schottischen Single Malt. Unzählige Bücher und Publikationen hat Charles Maclean in den vergangenen drei Jahrzehnten über schottischen Whisky veröffentlicht, und er gilt heute als wohl größter Whisky-Experte in Schottland. Kaum jemand kennt die Brennereien, ihre Geschichte und ihre Abfüllungen so gut wie er.
 


Seit 1992 ist er Mitglied der schottischen Whisky-Gesellschaft "Keepers of the Quaich", und 2009 wurde ihm der ehrenvolle Titel "Master of the Quaich" verliehen. Bekannt wurde er in Deutschland vor allem durch seinen Auftritt in dem Film "The Angels' Share", in dem er sich selber spielt.

In Limburg hatte ich das große Vergnügen, mit Charles MacLean über den Beginn seiner unglaublichen Karriere, die Entwicklung der  Whisky-Industrie in den vergangenen Jahrzehnten und die enormen Veränderungen der jüngsten Vergangenheit plaudern zu können. Charles ist ein Meister der Erzählkunst, und ihm zuhören zu können ist ein wahrhafter Genuß.

Mein Tipp: gießt euch einen guten Dram ein, macht es euch bequem, und dann stellt ihr euch einfach vor, dass ihr mit Charles Maclean an einem Tisch sitzt und mit dem Altmeister des schottischen Single Malt über Whisky plaudert. Das Gespräch dauert ungefähr eine halbe Stunde, also genug ins Glas eingießen;-) Ganz am Ende unseres Gespräches hat dann noch Alex Bruce, der Marketing Manager von Adelphi, ein paar Worte zu der neuen Brennerei von Adelphi gesagt.

Viel Spaß mit Charles.