Samstag, 27. August 2016

Der neue Strathearn: Whisky nach alter Tradition

Vor genau drei Jahren, am 23. August 2013, erhielt die Strathearn Distillery in den schottischen Highlands die Genehmigung, Whisky zu brennen. Seither haben Besitzer Tony Reeman-Clark und seine Crew  viele Fässer gefüllt. In Limburg konnte ich bereits den New Make testen. In wenigen Wochen werden die ersten Flaschen auf den Markt kommen - und werden in einer online Auktion meistbietend versteigert. 


Noch weiß niemand, wie der fertige Whisky tatsächlich schmecken wird, denn es dauert noch ein paar Wochen, ehe er abgefüllt werden darf. Doch ich hatte das große Glück, in Limburg bereits den New Make am Stand des deutschen Importeurs Anam na h-Alba probieren zu können. Und das Rohprodukt ist äußerst  vielversprechend! Drei Varianten hatte Tom Skowronek zur Verkostung dabei, New Make Standard, New Make triple distilled (dreifach gebrannt) und New Make peated (rauchig).

Tom und Melanie Skowronek. Foto: MargareteMarie

Strathearn ist eine der kleinsten Brennereien in Schottland, mit einer Jahreskapazität von nur 30.000 Litern. Dass hier keine Massenproduktion stattfindet, versteht sich von selbst. Die Brennerei will nach eigenen Angaben vielmehr zeigen, wie Whisky wohl urspünglich geschmeckt haben mag, und experimentiert viel mit traditionellen Mitteln und Methoden.  Bei der Gerste setzt man deshalb auf ältere Sorten, wie Maris Otter, die vor allem in den 70er und 80er Jahren populär war und noch immer bei Haus- und Hobby-Brauern sehr beliebt ist, oder auch  Bere Barley, die schon im 19. Jahrhundert bekannt war.

Gebrannt wird in kleinen Alambic Brennblasen, die aus Portugal stammen. Zur Lagerung verwendet Strathearn vor allem kleine Oktave-Fässer (50 Liter) aus Eichenholz. Um herauszufinden, wie Whisky vor zweihundert Jahren geschmeckt haben könnte, experimentiert die Brennerei auch mit 30-Liter-Fässern aus anderen Holzarten, z.B. Kastanie, Kirsche und Maulbeerbaum. Whisky dürfen sie das Resultat dann leider nicht mehr nennen, denn andere Holzarten außer Eiche sind in der modernen Whisky-Produktion nicht (mehr) zulässig.

Die ersten hundert Flaschen ihres eichefass-gereiften Whiskys werden derzeit in einer Online-Auktion bei Whisky-Auctioneers versteigert, und dürften vor allem für Sammler von großem Interesse sein. Die Auktion läuft noch bis zum 1. Dezember. Hier der Link:   Strathearn Inaugural Auction

Meine Tastings-Notes



Strathearn New Make (Standard), 50%:



Aroma: wunderbar frisch, Birne und Banane, ein Eimer voller Hühnerfutter, gedämpfte Kartoffelschalen, trockenes Heu und Apfelmus, mit viel Wasser auch eine leicht metallische Note

Geschmack: nach diesem tollen Aroma überraschend schwach, da hätte ich viel mehr erwartet.

Nachklang: angenehm mild

Strathearn New Make triple distilled, 50%


Aroma: alles was der Standard auch hat, aber viel schwächer

Geschmack: wieder eine große Überraschung. Der triple distilled ist deutlich stärker im Geschmack als der Standard, er ist kernig, mit Anklängen von Leder, Tabak, Teeblättern und Milchschokolade.

Nachklang: sehr pfeffrig


Strathearn New Make peated, zweifach destilliert, 35 ppm, 50%


Aroma: wie der Standard, doch mit deutlicher Rauchnote, die die übrigen Aromen leicht überdeckt und etwas schwächer wirken lässt

Geschmack: auch hier große Ähnlichkeit mit dem Standard, doch deutlich kerniger, mit angenehmer, leichter Asche auf der Zunge

Nachklang: mittellang, rauchig


MargareteMarie meint:

Die große Überraschung für mich war, dass der Standard (zweifach destilliert) im Aroma viel kräftiger ist als der Triple distilled (dreifach destilliert), aber im Geschmack sich die Situation genau umgekehrt darstellt. Beide Varianten haben ihre Stärken, und ich hoffe, dass irgendwann auch beide Varianten nach einer angemessenen Reifezeit auf den Markt kommen, damit man sie auch als fertigen Whisky vergleichen kann. Die Experimentierfreudigkeit von Strathearn scheint noch so manche weitere Überraschung zu versprechen.

Ob man unbedingt eine Flasche aus dem allerersten Fass haben muss, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Die Preise sind schon jetzt recht beachtlich, und sie werden noch weiter steigen. Andererseits wird man nicht allzu oft die Gelegenheit haben, den allerersten Whisky einer schottischen Brennerei zu besitzen. Den Sammlern wird es in den Fingern jucken.

Donnerstag, 25. August 2016

Blended Malt very old: aus dem Schatzkästlein der Whisky Agency

Echte Malt-Heads wollen es immer genau wissen: welches Alter, welche Brennerei, welches Fass. Blended Malts von ungewisser Herkunft werden gerne links liegen gelassen. Doch auch hinter einem obskuren Etikett kann sich so manche besondere Überraschung verbergen. Wie beispielsweise der Blended Malt XO der Whisky Agency.

Die Aufschrift verrät auf den ersten Blick nur wenig. "Blended Malt". Kein Name, kein Alter, nichts. Und vielleicht hätte ich die Flasche mit dem sommerlichen, farbenfrohen Etikett auch nicht allzu sehr beachtet, hätte mich nicht ein Zusatz hinter diesen beiden Worten stutzig gemacht: XO. In der Cognac-Sprache ist diese Abkürzung den älteren Jahrgängen vorbehalten. Nunja, allzu viel sollte man vielleicht nicht darauf geben, der Begriff ist dehnbar, und  "älter" heißt beim Cognac im Klartext älter als sechs Jahre.

Dennoch war meine Neugier geweckt, denn schon in Limburg hatte ich am Stand von Sansibar ähnlich obskure Abüllungen eines Blended Malt entdeckt, bei denen das Alter mit einem nebulösen "very old selection" umrissen wurde. Die Gerüchte, die kursierten, klangen mehr als spannend, und natürlich wollte ich es gerne genauer wissen.

Und wie immer in solchen Fällen gibt es keine offiziellen Informationen, die Abfüller halten sich bedeckt, die Brennerei will nicht genannt werden.  Dabei ist die Geschichte schon fast zu gut, um wahr zu sein, und reicht zurück in das Jahr 2004.

Damals entdeckte man in den Lagerhallen eines bekannten schottischen Whisky-Konzerns eine bereits vermischte Charge von alten Fässern aus den späten 60er und frühen 70er Jahren, deren Alkoholstärke drohte, unter die 40%-Marke zu rutschen. Der Angels Share - ihr wisst schon...

Um die Fässer zu retten, hat man dann einen dreijährigen, höherprozentigen Whisky einer anderen, familiengeführten Brennerei beigemischt und in einzelne Sherry Butts umgefüllt. Wahrscheinlich sollten sie  irgendwann in einem der Blended Whiskys des Konzerns verarbeitet werden.  Doch dazu ist es nie gekommen. Stattdessen fanden die etwa 25 Fässer  mit dieser ganz besonderen Mischung vor einigen Monaten ihren Weg zu den verschiedensten unabhängigen Abfüllern.




Technisch gesehen müsste man also auf dem Etikett einen Whisky aus 2001 deklarieren - doch das würde dem wahren Charakter der Abfüllung wohl nicht gerecht werden. Bleiben wir also bei "very old". Doch was ist mit den Brennerei-Namen? Ein bißchen kreativ und kombinationsfreudig müsst ihr schon sein. Denn so viele Brennereien gibt es nun auch wieder nicht, die Anfang der 70er Jahre in Besitz eines Konzerns waren, der bis heute für seine Sherry-Fässer berühmt ist.

Bleibt noch die Frage nach dem Mengenverhältnis von altem und jungem Whisky. Das wird wohl ewig das Geheimnis der Produzenten bleiben. Da hilft nur eins: probieren, wie er schmeckt.

Drei der 25 Fässer stelle ich euch heute vor, doch es gibt noch weitere. Wenn ihr ein bißchen die Augen aufhaltet, werdet ihr bestimmt die anderen auch noch entdecken. Bei Eiling Lim vielleicht (older than old), oder Shinanoya,  oder.... oder.... Die Whisky-Welt ist eng vernetzt.

Hier meine Tasting Notes:


Blended Malt XO, Good Vibes, The Whisky Agency, 44.7%, Sherry Butt, 317 Flaschen


Aroma: Dunkle Beeren, Pflaumen, Orangen, Sherry, getrocknete Kräuter,  Toffee, süß, malzig, trocken. Und irgendwie "alt".

Geschmack: rund, weich, sehr cremig, ölig, Wachs, Tabak, Leder, Teeblätter

Nachklang: lang, tocken, wachsig

Fazit: Dame mit Hut. Ein wunderbar altmodischer Whisky aus dem Sherry-Fass. Harmonisch und stilvoll. So stelle ich mir einen Klassiker vor.

Punkte: 90 (von 100)

 

Speyside Blended Malt, Very Old Selection, Sansibar für Whiskyklubben, Sherry Butt, 45.3%, 554 Flaschen


Aroma: trocken, reichhaltige Früchte-Marmelade aus Stachelbeeren, Kiwi, Rosinen, Trauben, Johannisbeeren und Datteln, gepaart mit sauren Drops. Kaum Süße, dafür aber eine schräge Note. Irgendwie "dreckig". Ein Hauch von Schwefel vielleicht?

Geschmack: dunkel, trocken, Tabak, Leder,  ölig, fast speckig, dunkle Schokolade, und ganz überraschend auch etwas Asche. Wo kommt die denn her?

Nachklang: lang

Fazit: Working Class Hero. Harmonisch, aber herb und mit einem "dreckigen" Unterton, der ihn markant wirken läßt.

Punkte: 89 (von 100)


Speyside Blended Malt, Sansibar, selected by Peter van Vliet, 45.8%, Sherry Butt, 187 Flaschen


Aroma: wunderbar saftige Früchte, frische Orangen, unglaublich süß, alter Küchenschrank, Sherry-Töne, Malz.

Geschmack: überraschend dunkel, die Süße ist weg, stattdessen viel Tabak und Leder, Grasboden und nasser Lehm, pfeffrig

Nachklang: lang, trocken

Fazit: Yin und Yang. Spannender Kontrast von süß und herb, hell und dunkel, frisch und trocken. Vielleicht ein Sherry-Fass aus amerikanischer Eiche?

Punkte: 89 (von 100)

 

MargareteMarie meint:


Drei wunderschöne  Abfüllungen, die von altmodischen Sherry-Noten und Fruchtaromen getragen werden. Holz findet man kaum, hier hat die Zeit die Aromen aufgebaut. Fast könnte man nostalgisch werden. Ihre Verwandschaft können die drei kaum verleugnen, trotz aller Unterschiede werden sie vom gleichen Grundcharakter geprägt.

Ob sie tatsächlich sehr alten Whisky aus den 60er und 70er Jahren beinhalten, lässt sich nicht beweisen. Doch der Geschmack passt zur Geschichte. Welcher Abfüllung man den Vorzug gibt, ist wohl eher eine Frage der persönlichen Vorliebe.

Mittwoch, 17. August 2016

Tasting Notes Paul John peated, select casks, 55.5%, Indian Single Malt, Batch 001, 2015

Vor ein paar Tagen hatte ich euch mit dem Kavalan peaty cask einen rauchigen Whisky aus Taiwan vorgestellt. Heute möchte ich euch einen weiteren peated whisky aus Asien präsentieren: Paul John peated. Gebrannt wird er auf zwei Kupferbrennblasen in Goa (Indien). Alle Zutaten stammen aus inländischer Produktion, nur das Torf wird aus Schottland importiert. 

meine Tasting Notes:

Montag, 15. August 2016

Tasting Notes: Hotel Essener Hof No.9, 14 Jahre, ex-port pipe, 641 Flaschen, Irish Whiskey (Teeling Selection), Rolf Kaspar, 57.9%vol.

Viele der Teeling-Abfüllungen, die seit einiger Zeit auf dem Markt erhältlich sind, stammen aus der Cooley-Brennerei, deren Besitzer er bis 2011 war.  Doch manche dieser Fässer stammen wahrscheinlich aus einer anderen Quelle. Angeblich hat Teeling auch  in der Bushmills Brennerei Whisky produziert. Mir gefällt dieses Gerücht, denn es könnte eine Erklärung sein, warum manche Teeling-Abfüllungen so extrem nach altem Wachs schmecken, andere aber nicht.



Aroma: etwas stechend im ersten Moment, und dann staubtrockene Früchte, die jahrelang in Omas altem Küchenschrank verwahrt wurden. Der Geruch von Rosinen, Feigen, und gedörrten Cranberries mischt sich mit  ausgetrockneten Mandarinenschalen und altem Holz. Doch daneben hat Oma noch ein paar Tütchen mit  Weingummis liegen. Ganz viele Weingummis. Nach einer Weile kommt auch ein Hauch Vanille, Kirsche, Gewürzkräuter, Dill, und Majoran dazu. Mit Wasser wird er etwas frischer, aber auch weniger spannend.

Geschmack: vollmundig und kräftig, recht dunkel, Gras-, Holz-  und Tabak-Noten, sehr ölig, und mit diesem typischen, bitteren Geschmack von altem Wachs, parfümierter Seife und Ohrenschmalz, das ich bisher nur von Teeling-Fässern kenne. Markant. Mit etwas Wasser wird er cremiger.


Nachklang: sehr kurz, dieser Whisky bleibt auf der Zunge liegen


MargareteMarie meint: 

Überrraschend kräftig für einen Irischen Whisky. Wer hier den lieblich-süßen Fruchtcocktail erwartet, wird staunen. Im Aroma staubig und trocken, gepaart mit einer deutlichen Weinnote. Auf der Zunge ölig und seltsam wachsig. Stop-and-Go beim Speichelfluß. Einer dieser markanten Teelings, die man immer wieder erkennt. Nichts für Anfänger.

Punkte: 83 (von 100)

Freitag, 12. August 2016

Tasting Notes: Miltonduff, TWC, 9 Jahre, 2006-2016, First Fill Sherry Hogshead No. 900873, 469 Flaschen, 59.8%

Miltonduff wurde bereits 1824 errichtet, doch die illegale Whiskyproduktion hat an dieser Stelle vermutlich deutlich ältere Wurzeln. Seit 2005 gehört die Brennerei zum internationalen Getränke-Konzern Pernod Ricard. Der Whisky von Miltonduff findet vor allem im Blended Whisky  Ballantines' Verwendung, ist aber auch bei unabhängigen Abfüllern sehr beliebt. 



Meine Tasting Notes:

Farbe: kastanie

Aroma: Ah!... Ahornsirup gleich zu beginn, dann Karamellbonbons, brauner Zucker und ein Hauch Vanille. Unter dieser dicken, cremigen Schicht kann man die Fruchtaromen von Kirsche, Mandarine und Feigen kaum finden. Ein paar Tropfen Wasser bringen auch andere Noten ans Licht: Dill, Essiggurken, Eiche und Würze.

Geschmack: Sehr cremig und mild. Aber die fast 60%  sind schon eine Ansage, und verleiten schnell, auch ein paar Tropfen Wasser hinzu zufügen. Doch Vorsicht ist geboten: einerseits gewinnt der Whisky süße und würzige Noten und entwickelt grasige und wachsige Aromen. Tannine kommen hinzu. Doch allzu komplex wird er nicht und er verliert dadurch seine satte Cremigkeit und Dichte.

Nachklang: sehr trocken, lang

MargareteMarie meint:

Die Stärke dieses Miltonduff liegt in seinem cremigen, sirup-artigen Duft, der auf Anhieb überwältigt. Geschmacklich kann er nicht ganz mithalten, ist aber unverdünnt beeindruckend mild und cremig. Fassstärke-Liebhaber werden ihn genießen.

Punkte: 85 (von 100)

Mittwoch, 10. August 2016

Tasting Notes: Glenallachie, Sansibar, 8 Jahre, 2004-2013, 242 Flaschen, 47.5%

Glenallachie ist eine recht moderne Speyside-Brennerei, und wurde 1967/68 im Auftrag von Mackinlay, McPherson & Co. errichtet. Von 1987-89 war sie geschlossen, dann wurde sie an Pernod Ricard verkauft und produziert seither vor allem für die vielen Blends der Chivas-Gruppe. Offizielle Abfüllungen sind sehr selten. Gelegentlich findet ein Einzelfass den Weg zu unabhängigen Abfüllern. Bei Sansibar erschien 2013 ein acht Jahre alter Whisky von Glenallachie.

glenallachie_2

meine Tasting Notes:

Farbe: gelbgold


Aroma: gleich zu Beginn eine positive Überraschung. Wunderschöne Honignoten ergänzen sich mit saftigen Früchten, reife Orangen, Satsumas, Mandarinen, und die Aromen strömen in einer Deutlichkeit aus dem Glas, die man in dieser Altersklasse gar nicht erwartet hätte. Frischer Kuchen kommt dazu, saftig wie ein getränkter Baba au Rhum, überstäubt mit Puderzucker und mit Honig besprenkelt. 

Geschmack: Markant, herb, ledrig. Wachsige und ölige Noten drängen sich in den Vordergrund, darunter verbirgt sich eine Mischung aus Eichenholz, Kirschkernen, und Teeblätter. Die Tannine sind sehr dezent, am Endes liegt auf der Zunge eine nussige Öligkeit.

Nachklang: lang, mild und leicht trocken.

MargareteMarie meint:

Für sein Alter ein ungewöhnlich reichhaltiger Single Malt abseits des üblichen Einheitsgeschmacks, der zur Zeit das Bild beherrscht. Ich würde ein Ex-Sherry-Fass aus Amerikanischer Eiche vermuten. Einer der besseren in dieser Kategorie und bei einem Preis von 60 Euro (inzwischen) auch sein Geld wert. 

Punkte: 87 (von 100)









Montag, 8. August 2016

Tasting Notes: Box Single Malt Whisky Batch 001, Schweden, 2015, 51.2%

Als Mats de Vahl 1991 das ehemalige Kraftwerk am Angerman-Fluß in Nordschweden zum ersten Mal entdeckte, war es bereits seit über einem Jahrzehnt dem Verfall preisgegeben. Doch der Künstler war von der Schönheit des 1912 erbauten Häusleins so angetan, dass er es unbedingt erhalten wollte und als Atelier nutzte. 

2010 hatte er eine noch bessere Idee: zusammen mit seinem Bruder Per gründete er eine Brennerei, kaufte zwei schottische Brennblasen und begann damit, Whisky zu brennen. Früher wurde an gleicher Stelle das Rohmaterial für den Bau von Holzkisten hergestellt. Der Name lag damit auf der Hand: Box Distillery.
Box Whisky Early Days Batch 001 (Schweden) 


2015 erschien mit Box Whisky Batch 001 die erste Abfüllung für den europäischen Markt. Die Website hält einiges an Informationen bereit: hergestellt aus 1,2 Tonnen schwedischem Pilsner Malz, gereift in 130-Liter-First-Fill-Ex-Bourbon-Fässern, abgefüllt am 16.11.2015,  51.2%Vol:. Alkoholgehalt, 4 Jahre.

Meine Tasting-Notes:

Farbe: Weißwein

Aroma: schöne frische und malzige Noten, viel Birne, Apfel, nach einigen Minuten auch reife Bananen,  ein bißchen süß, ein bißchen Vanille, aber auch etwas Heu, insgesamt sehr ausgewogen. Mit Wasser kommen auch Pfirsicharomen, Mirabellen und Blütenduft. Insgesamt noch sehr jugendlich und etwas schmal um die Brust, aber schon sehr vielversprechend. 

Geschmack: üppiger als erwartet, was dem hohen Alkoholgehalt geschuldet ist. Wasserzugabe auf Trinkstärke betont die zarten Aromen von frisch gesägtem Eichenholz, die bitteren Tannine bleiben jedoch glücklicherweise aus, sie hätten nicht zu ihm gepasst. Durch die Wasserzugabe wird er bekömmlicher, aber auch dünner.

Nachklang: mittellang, mehr auf der Zunge als in der Kehle

MargareteMarie meint:

Ein sehr schöner Easy Drinking Dram für den Spaß zwischendurch. Für sein junges Alter ist er schon recht komplex, die frischen Aromen sind rund und ausgewogen. Das erste Batch ist vielversprechend für die Zukunft. 135 Euro für 50cl sind jedoch ein ambitionierter Preis, die Flasche eignet sich wohl am ehesten für Lokalpatrioten und überzeugte Schweden-Fans.

Punkte: 76 (von 100)

Mittwoch, 3. August 2016

Raritätentasting Siedenbüssow 2016

Einmal im Jahr lädt Uwe von Finest Whisky zum Raritäten-Tasting nach Siedenbüssow ein und verwandelt den alten Gutshof von Nils in ein Eldorado für Whisky-Fans. Dafür fahre ich sogar durch die halbe Republik. Im  letzten April war es wieder so weit. Und auch diesmal war die Auswahl an alten und längst vergriffenen Abfüllungen ein kleiner Traum.  


Uwe

Sonntag, 31. Juli 2016

Macallan Double Cask 12: (K)ein Grund zum Jubeln?

Kaum eine andere Brennerei hat so viele verschiedene Abfüllungen anzubieten wie The Macallan. Doch nicht in Europa. Während sich andernorts die Whiskys von Macallan mit Altersangabe stapeln, kommt bei uns davon kaum etwas an. Jetzt soll die neue Abfüllung Double Cask 12 years die verprellten Fans wieder versöhnen. 

Foto: MargareteMarie

Mittwoch, 27. Juli 2016

Wie der Kavalan Peaty Cask nach Deutschland kam

Die taiwanesische King Car Distillery muss man keinem Whisky-Fan mehr vorstellen. Vor allem ihre Einzelfass-Abfüllungen unter dem Namen "Solist" genießen einen ausgezeichneten Ruf und wurden mehrmals in Folge international hoch dekoriert.

2015 wurde die Abfüllung Kavalan Solist Vinho Barique bei den World Whiskies Awards zum "Weltbesten Single Malt" gekürt, 2016 gewann Kavalan mit seinem Solist Amontillado Sherry Cask die Auszeichnung als weltbeste Single Cask Abfüllung. Und erst vor wenigen Tagen gewann der Solist Ex-Bourbon Cask bei der ISC eine sogenannte "Trophy"  für herausragende Qualität.

In Limburg hat Kavalan in diesem Frühjahr offiziell eine weitere, preisverdächtige Abfüllung auf den Markt gebracht: den zart rauchigen Kavalan Solist Peaty Cask. Als ich ihn am Stand von Andrea Caminneci probieren konnte, war ich jedenfalls ganz hin und weg. Doch die Geschichte, wie es zu dieser ganz besonderen Abfüllung kam, ist fast noch besser als der Whisky selbst. Denn der Kavalan Peaty Cask ist eine Abfüllung, die es eigentlich gar nicht hätte geben sollen.