Donnerstag, 30. Oktober 2014

Springbank gegen Parliament. Das Dilemma einer ganzen Branche.

Vor ein paar Tagen hat Ralfy.com einen Whisky von GlenDronach besprochen. Eigentlich nichts besonderes, denn Ralfy ist einer der bekanntesten Whisky-Blogger und hat in seinen Tasting-Videos bereits hunderte von Whiskys vorgestellt. 

Doch hinter dieser Besprechung verbirgt sich mehr. Es geht um Grundsätze. Es geht um Positionen. Es geht um die unterschiedlichen Lager innerhalb der Whisky-Welt. Besonders deutlich wird dies, wenn man besagten Whisky mit einer anderen Abfüllung vergleicht: Springbank 21, abgefüllt für The Whisky Chamber. 

Anhand dieser beiden Flaschen  zeigt sich stellvertretend das Dilemma einer ganzen Branche.
 


Ich kenne den Blog von Ralfi schon seit der Zeit, als er seine Tasting-Videos noch in Glasgow am Küchentisch drehte. Ich habe in den vergangenen Jahren viel von Ralfy gelernt, und ich schätze ihn sehr. Auch seine Besprechung des GlenDronach 21 Parliament hat mir interessante Aspekte gezeigt. Denn Ralfy lenkt den Blick wieder einmal auf den entscheidenden Punkt.



Der GlenDronach 21 ist ein wunderbarer Whisky. Er ist ein ausgewiesener Publikumsliebling und auch bei meinen Gästen hat die Flasche großen Zuspruch gefunden. Denn der Parliament gehört zu den sogenannten "Sherry-Monstern", nach denen große Nachfrage besteht. Er ist mit 21 Jahren weder jung noch NAS. Und doch hat er mit vielen dieser jüngeren, modernen Whiskys etwas gemeinsam: er wurde "gepimpt". Er wurde am Ende seiner Reifungszeit in first-fill Sherry-Fässer umgefüllt, die ihm ein enormes Aromen-Volumen und eine unglaubliche Sherry-Fülle mitgegeben haben. Jedenfalls, wenn man Ralfy glauben darf. Und genau daran entzündet sich seine Kritik.



Ganz anders hingegen der Springbank 21 (abgefüllt für The Whisky Chamber). Er riecht wunderbar nach hellem Obst, nach Malz und auch ein bißchen Vanille. Sein Duft ist seidenweich und mild, und sein Geschmack ist erdig, dunkel, wachsig und verrucht. Er ist kein Small-Talker und kein Frauen-Versteher. Er braucht Zeit. Er braucht den stillen Abend, die Muße und die ganze Aufmerksamkeit des Genießers. Er schmeckt wie ein alter Whisky schmecken sollte.

Doch gegen die neuen Aromen-Wunder wie der GlenDronach 21 Parliament hat er kaum eine Chance. Seine Farbe ist zu blass, sein Rauchgehalt ist nur schwach wahrnehmbar, und Sherry hat er gar nicht. Er ist 21 Jahre lang in einem Ex-Bourbon Hogshead gereift, und es war ganz gewiß kein First-fill Fass. Als der New Make bei Springbank ins Fass kam, hat es das Wort "Wood-Management" wahrscheinlich noch gar  nicht gegeben. Ein Fass musste sauber sein und dicht. Das hat gereicht. Den Rest erledigte auf magische Weise die Zeit.




Die beiden Abfüllungen sind beide 21 Jahre alt. Doch zwischen ihnen liegen Welten. Der GlenDronach Parliament verkörpert den modernen Trend. Der Springbank von "The Whisky Chamber" steht für alte Werte. In diesen beiden Flaschen zeigt sich auf anschauliche Weise das derzeitige Dilemma.

Je besser in den Brennereien das Prinzip der Fassreifung verstanden wird, desto kreativer werden die unterschiedlichen Fassarten eingesetzt. Schottischer Whisky ist innovativer geworden. Die modernen Abfüllungen sind variantenreicher, vielfältiger und vollmundiger. Sie sind zugänglicher und ansprechender als früher. Die Kritiker hingegen würden sagen: sie sind aufgeblasen, mehrheitsfähig und langweilig geworden.

Die Brennereien stehen heute alle vor der Frage, welchen Weg sie gehen sollen. Der Geschmack der  Kunden wird am Ende entscheiden. Und ich fürchte, Ralfy kämpft eine längst verlorene Schlacht.


Mittwoch, 29. Oktober 2014

Glykol im Whiskey. Wirklich kein Problem?

Kenner schätzen Whisky als eine äußerst komplexe und aromareiche Spirituose. Doch wo kommen diese Aromen eigentlich her? 

Schottischer Whisky darf nur aus Wasser, Gerstenmalz und Hefe hergestellt werden. Beim Amerikanischen Whiskey sind die Vorschriften nicht ganz so eng. 
 
Foto: MargareteMarie
Hier dürfen fleißig Aroma-Stoffe zugefügt werden, wenn die natürlichen Aromen nicht ausreichend vorhanden sind. Doch in den wenigsten Fällen wird der Kunde über diese Zusätze genau informiert.

Auch teure, sogenannte Craft-Whiskeys bleiben von Zusatzstoffen nicht verschont, wie erst kürzlich im Fall Templeton bekannt wurde. Auf dem Etikett werden diese Stoffe aber meist verschwiegen. Aus gutem Grund. Denn wer will schon einen Whiskey trinken, der Glykol enthält?  Doch beim Fireball-Whisky wird genau dieser Stoff zugefügt, wie thespiritsbusiness.com jetzt berichtet.

Auch in der Wein-Industrie wurde in den 80er Jahren Glykol fleißig benutzt. Als die Praktik bekannt wurde, hat der sogenannte Glykolwein-Skandal 1985 einer ganzen Branche nachhaltig und massiv geschadet. Es scheint, als habe die Getränke-Industrie bis heute nichts daraus gelernt.

Hier geht's zum Original-Bericht.

Mehr zum Thema:


Whiskey zwischen Betrug und Marketing: Der Fall Templeton

Dienstag, 28. Oktober 2014

Juwelen aus Diageos verlorenem Reich: Rosebank und Convalmore

Whisky-Messen machen immer wieder Spaß. Vor allem dann, wenn man unverhofft auf besonders seltene Abfüllungen aus längst geschlossenen Brennereien stößt. 

Auf der Aquavitae habe ich zwei solcher Abfüllungen am Stand von Diageo entdecken können: Rosebank und Convalmore.   

 
Foto: privat
Bezahlen kann man sie kaum noch. Denn was früher ein Ladenhüter war, gehört heute zu den Juwelen in der Schatzkammer Diageos.


Wer die Brennerei Convalmore in Schottland sehen will, sollte eine Besucher-Erlaubnis für The Balvenie haben, in deren unmittelbaren Nachbarschaft sie sich befindet. 1990 wurde Convalmore an den Besitzer von The Balvenie verkauft, der sie seither vor allem als Fasslager nutzt. Doch die Markenrechte liegen bis heute bei Diageo.

Nicht ganz so schwierig gestaltet sich die Suche nach der alten Rosebank Destillerie. Zwar wurde vor einigen Jahren ein großer Teil der Ausstattung gestohlen, doch die Gebäude sind bis heute intakt und beherbergen mittlerweile Restaurants, Büros und Appartement-Wohnungen.

Foto: MargareteMarie

Rosebank produzierte 1993 zum letzten Mal, Convalmore wurde bereits 1985 geschlossen. Beide Brennereien gehören inzwischen zur Gruppe der sogenannten Lost Distilleries, der Verlorenen Brennereien. Denn sie werden wohl nie wieder ihre Brennblasen anfeuern. Aber noch sind die Fasslager der beiden Brennereien  nicht gänzlich geleert.

Abfüllungen von Rosebank und Convalmore sind selten geworden und sehr begehrt, aber leider auch sehr teuer. Gelegentlich erscheinen sie als Original-Abfüllung im Rahmen der "Special Release". Auf der Aquavitae habe ich am Stand von Diageo zwei Special Release-Abfüllungen entdeckt: einen 25 Jahre alten Rosebank von 2007 und einen  Convalmore von 1977, der erst im Herbst letzten Jahres abgefüllt wurde.

Da konnte ich nicht widerstehen. Und da ich an diesem Wochenende Geburtstag hatte, habe ich mir ausnahmsweise ein Tasting in netter Gesellschaft direkt am Stand gegönnt.

Rosebank 25, 1981-2007, 61.4%, Fassstärke, Refill Bourbon Cask, Fl.-Nr. 4204,  Limited Release, 4710 Flaschen


Foto: MargareteMarie


Aroma:

Wow. Überraschend frisch und ölig. Gelbe Trockenfrüchte, aber auch erdig und würzig. Satt, voll, schwer. Sehr komplex und vielschichtig. 

Geschmack:

Ölig und schwer, die Früchte sind dunkel geworden, Beerenmarmelade, Mandeln, Wachs und Gewürze.

Nachklang:

mittellang, anhaltend, warm, wohltuend,

Fazit:

Der Rosebank haut mich sofort um. So viel Kraft habe ich von einem dreifach destillierten Lowlander nicht erwartet. Mit dem würde ich gerne mehr Zeit verbringen, am liebsten einen ganzen Abend lang. Dieser Whisky ist jede Sekunde wert, die man investiert.  So wie eine gute Freundin, wenn sie überraschend aufkreuzt und sagt: "Komm her, ich muss dir was erzählen!"

Punkte: 9.5 von 10




Convalmore 36, 58%, Fassstärke, 1977-2013, Refill European Oak Casks, Special Release, Fl. Nr. 160, 2680 Flaschen


Foto: MargareteMarie

Aroma:

überraschend mild und frisch, fruchtig, jugendlich. Marzipan, Birne, Ananas aus der Dose, Honigsüße, würzige Holz- und Kräuteraromen. Sehr komplex und elegant.


Geschmack:

angenehm ölig,  Ledernoten, dunkle Gewürze. Unglaublich komplex, rund und harmonisch. Trotz der 58% sehr mild, elegant und angenehm. Auf Wasser kann man ruhig verzichten.

Nachklang:

warm, lang, angenehm.


Fazit:

Wunderbar komplex und ausbalanciert. Ich fühle mich wie bei einem Abendessen mit Coco Chanel, denn dieser Whisky ist eine Grande Dame, eine beeindruckende Erscheinung.  Frisch, elegant, jung geblieben, und dennoch voller Tiefgang. Eine tolle Persönlichkeit und eine Klasse für sich. Man fühlt sich fast ein bißchen eingeschüchtert und möchte doch den ganzen Abend mit ihr verbringen. 

Danach geht nichts mehr. Selbst ein 26 Jahre alter Linkwood wirkt im direkten Vergleich plötzlich farblos und blass. Der Convalmore ist ein Star. Er überstrahlt alles. 

Punkte: 10 von 10.  

Das Ende aller Whisky-Wünsche! Einfach perfekt.



Montag, 27. Oktober 2014

Neuer Glenmorangie Erlkönig gesichtet

Seit einigen Monaten verdichten sich die Gerüchte, dass Glenmorangie einen neuer Edel-Whisky auf den Markt bringen wird. Doch  die Brennerei hält sich bedeckt und lange Zeit war unklar, ob überhaupt ein Exemplar dieses Super-Whiskys nach Deutschland kommen würde. Am vergangenen Wochenende hat ein Sharing-Angel-Mitglied  den neuen Erlkönig überraschend in Süddeutschland gesichtet.
 


Donnerstag, 23. Oktober 2014

C2C Spirits Cup. Ein Resümee.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Aquavitae war die Bekanntgabe der Sieger des C2C Spirits Cup, einem neuartigen Spirituosen-Wettbewerb für Endverbraucher.  

Natürlich war ich sehr gespannt darauf, welche Whiskys besonders gut abgeschnitten haben. Doch noch mehr interessierte mich die Frage, ob man aus den Ergebnissen auch Rückschlüsse auf die Vorlieben der Konsumenten ziehen kann.
 
Foto: MargareteMarie

55 Whiskys wurden während des C2C Wettbewerbes an vier verschiedenen Standorten in Blindverkostungungen bewertet. Das Besondere dabei: Die Jury bestand nicht,  wie sonst üblich, aus einer Expertenrunde, sondern setzte sich aus interessierten Whisky-Freunden zusammen, die sich für die Teilnahme am C2C-Cup beworben hatten. 
Die eingereichten Produkte, die zur Beurteilung standen, stammen aus Schottland, Irland, den USA sowie mehreren Ländern Kontinental-Europas.

Mit Julia Nourney, Orgnisatorin und "Erfinderin" des C2C Cup, habe ich nach der Preisverleihung noch einmal über die Ergebnisse des Wettbewerbs gesprochen. Die Liste der Preisträger  findet ihr weiter unten.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Bladnoch oder die Trauer eines Importeurs

Seit Monaten steht fest: die Brennerei Bladnoch in den schottischen Lowlands soll verkauft werden. Doch das Verfahren stockt, die Gerüchteküche brodelt. 

Vor ein paar Tagen habe ich mit Dietmar Schulz, der "zweiten Hälfte" von Alba und deutscher Importeur von Bladnoch, über das traurige Ende einer spannenden Ära gesprochen.
 


Dienstag, 21. Oktober 2014

Aquavitae 2014. Die neuen Trends

Vergangenes Wochenende fanden gleich drei Whisky- und Spirituosen-Messen in Deutschland statt: die Aquavitae in Mülheim, die Finest Spirits & Beer Convention in Bochum und die Whisky & Lifestyle in München. 
Ich habe mich auch in diesem Jahr  für die Aquavitae entschieden und mich nach den Neuigkeiten und aktuellen Trends im Bereich des schottischen Single Malt  umgeschaut.
 
Foto: MargareteMarie

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Glenmorangie Taghta. So gut wie damals.

Über ein Jahr habe ich auf ihn warten müssen, jetzt ist er endlich da: Glenmorangie Taghta, der Sieger aus dem Cask Masters Programme von Glenmorangie.
In mehr als 30 Ländern hatten Whisky-Fans auf der ganzen Welt diesem Glenmorangie aus dem Manzanilla-Fass ihre Stimme gegeben. So viele Menschen können nicht irren, oder? 
 
foto: margaretemarie



Sonntag, 12. Oktober 2014

Malt oder Grain: zwei Raritäten aus dem Hinterzimmer

Kaum jemand kennt heute noch die Brennerei North of Scotland. Nur wenig mehr als zwei Jahrzehnte war sie in Produktion, ehe sie 1980 für immer schloss. Abfüllungen von North of Scotland sind mittlerweile sehr alt und sehr selten. 

Und deshalb sind sie genau das richtige für Uwe Wagmüller. Der Liebhaber von schönen Etiketten und Inhaber eines Whisky-Ladens in Berlin ist Spezialist für seltene Abfüllungen und Whisky-Raritäten. 

 
 
foto: margaretemarie

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Whiskey zwischen Betrug und Marketing: Der Fall Templeton

Die amerikanische Firma Templeton Rye Spirits LLC. steht seit kurzem  wegen irreführender Marketing-Praktiken vor Gericht. 

Für Templeton steht dabei viel auf  dem Spiel: ein Kernpunkt des Rechtsstreits ist die Frage, ob die Konsumenten bisher zu viel für  Templeton Rye Whiskey bezahlt haben.

Jetzt haben die  Firmen-Gründer Keith Kerkhoff und Scott Bush zur Verteidung den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Doch ihre Argumente sind alles andere als beruhigend. 
 
Foto: margaretemarie