Tobermory 20, Vintage 1995, Cask Strenght, 54.8 %

Tobermory ist die einzige Brennerei auf der schottischen Insel Mull. Vielleicht gab es auf Mull früher zu viele Schwarzbrenner, denn  im vergangenen Jahrhundert musste Tobermory  lange Phasen der Stilllegung überstehen.  Von 1930 bis 1972,  von 1975 bis 1979 und von 1982 bis 1989 ruhte die Produktion, und die Lagerhallen wurden am Ende sogar in Wohnraum umgewandelt. 


Erst als 1993 Burn Stuart Distillers die Brennerei übernahm, besserte sich die Lage und die Brennerei baute kontinuierlich wieder Bestände auf. Alte Tobermory sind durch diese langen Produktionslücken zur Zeit noch eine Seltenheit. Zur Standard-Range gehören inzwischen  Tobermory 10 und Tobermory 15. Doch unabhängige Abfüller bieten mittlerweile auch ältere Tobermory als Einzelfass-Abfüllung an.

Die vorliegende Abfüllung wurde von Whic unter eigenem Label herausgebracht.  







Dest.: 18.07.1995, abgef. 17.08.2015
132 Flaschen
Cask Strength 54,8%
Hogshead Nr. 1241
abgefüllt von Whic.de unter eigenem Label

Aroma: 

Zu Beginn ist dieser Whisky recht verschlossen, er braucht ein paar Minuten, bis er auftaut. Die etwas scharfe Alkoholnote wird mit der Zeit schwächer. Dann zeigt sich kräftiges Malzaroma, fleischige und florale Töne, etwas Honig und trockene Früchte wie Rosinen und Feigen, eine leichte Holznote wie Omas alter Küchenschrank, aber auch zarte Vanille-Noten und Sherry-Anklang. Die Zugabe von Wasser wirkt wie eine Frischzellenkur, frische Zitrus- und Apfel-Aromen werden freigesetzt.

Geschmack: 

würzig, schwer, sehr ölig, leicht trocken, aber auch mit deutlicher Schärfe. Mit Wasser wird er viel milder, sanfter, aber immer noch vollmundig und sehr ölig.

Nachklang:

mittellang, wärmend

MargareteMarie meint:

Zu Beginn ist dieser alte Tobermory etwas grummelig und verschlossen, aber wenn er erst mal auftaut, wird er recht zugänglich. Eigentlich mag ich Whisky in Fassstärke, aber dieser knorrige Kerl  ist mir dann doch zu scharf, mir schmeckt er mit etwas Wasserzugabe besser. Besonders beeindruckt hat mich seine unglaubliche Öligkeit.

Das ist noch ein Whisky vom alten Schlag, dem die vordergründigen, vollfruchtigen Aromen der modernen Whiskys fehlen. Er ist schwer, aber drahtig, sehr ölig und floral, mit einem Kick Ozon-Frische. Absolute Old School. Für die gesellige Runde ist dieser alte Herr nicht zu empfehlen. Aber er ist ideal für ein wärmendes Zwiegespräch an langen Winterabenden.

Alte Tobermory gibt es noch nicht allzu viele. Es war mir deshalb ein großes Vergnügen, dieses Sample zu probieren.



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